Vanille für das Nervenkostüm

Die verführerische Natur der Orchidee namens Vanille, was „kleine Schote“ bedeutet, kommt von ihrem Duft, der von einer derart zu Kopf steigenden Lieblichkeit ist, dass er in hoher Dosis berauscht. Im Jahre 1841 wurde auf der Insel La Réunion (Madagaskar) das Verfahren der künstlichen Bestäubung der Vanille entdeckt. Die Spanier waren zu jener Zeit die Schokoladenexperten in Europa mit eingeführten Vanillepflanzen. Diese wurden mit Liebe in botanischen Gärten gepflegt.
Die Orchidee blüht nur einen einzigen Tag lang – die Früchte (Schoten) werden neun Monate später gepflückt. Nach dem Pflücken müssen die frischen Vanilleschoten einen langen, viele Monate dauernden Verwandlungsprozess mitmachen. Am Ende ihrer Verwandlung von der grünen Schote in die gerillte, fleischige und dunkelfarbige Vanilleschote darf sie endlich ihren außergewöhnlichen Duft verströmen.
Die Orchidee ist eine Kletterliane und wächst geschützt im schattigen Unterholz, am Fuße tropischer Bäume oder in kleinen Lichtungen inmitten von Zuckerrohrplantagen, wo man sie an Stangen hochwachsen lässt. In La Réunion, wo man in kleinen Mengen eine der besten Bourbon-Vanillen (Vanilla planifolia) produziert, läuft die Fermentierung nach einem Verfahren ab, das ebenso kompliziert und geheimnisvoll ist, wie unveränderbar. Alles beginnt mit dem Überbrühen der Schoten mit 60 Grad heißem Wasser. In einem großen Weidenkorb werden die Schoten drei Minuten lang in das Bad getunkt, um alles Wachstum zum Stillstand zu bringen.
Anschließend kommen sie etwa zwölf Stunden lang zum Schwitzen in mit Wolle zugedeckte Kästen. Schon etwas runzlig beginnen die Schoten sich zu verfärben – schokoladenbraun. Dann kommt das Trocknen auf dem Gitterrost, zur Abwechslung für einige Stunden am Tag in der Sonne. Das Aroma kommt endlich zutage, wenn die Schoten für die nächsten Monate in Kästen gelagert werden, die mit geschwefeltem Papier ausgelegt sind. Knapp ein Jahr nach der Ernte ist die Vanilleschote endlich verbrauchsfertig. Die gespaltenen und abgebrochenen Früchte werden zu Vanillezucker oder Extrakten verarbeitet. Nur die schönen und unbeschädigten Fruchtschoten werden geordnet, gebündelt und an die Händler verteilt.
Vanille verströmt einen so angenehmen Duft, dass sie bei Kindern der beliebteste Geschmack ist. Das zeigt sich in den Verkaufszahlen von Vanillepudding und Vanilleeis. Ein beliebtes Rezept aus der Weihnachtsbäckerei sind Vanillekipferl und auf die teuren Vanilleschoten aus La Réunion kann einfach nicht verzichtet werden.
Astromedinisch werden der gewürzigen Heilpflanze Vanille die Planeten Merkur und Mond zugerechnet. Die Signaturenlehre erklärt uns den Umgang mit Vanilla planifolia in der sechsten D-Potenz zur Stärkung des Nervensystems. Die weißen Blüten der orchideenhaften Vanille zeigen deutlich die mondhafte Struktur ebenso wie die Kurzlebigkeit, weil der Zauber der Blüte nur einen Tag anhält. Die kletternde Liane Vanille gehört zu den Pflanzen Merkurs, ihm ist es zueigen seine Triebe als Ausläufer hochklettern zu lassen. Sind die beiden Planeten Mond und Merkur im Horoskop schwierig angebunden, leidet das Nervensystem und konfrontiert uns mit Problemen aus dem mondhaften Unbewussten. So wird Vanille zum Psychotherapeutikum!
Also auf die Psyche wirkt Vanille und beruhigend auf das Nervenkostüm. Wer also in dieser Richtung Unterstützung braucht und den Duft von Vanille mag – das ist Voraussetzung – der sollte auch außerhalb der Weihnachtszeit Kekse mit Vanille genießen. Vanilleschote ist das ganze Jahr über erhältlich und hier ein Rezept für Kipferl:

Zutaten für Vanillekipferl:

250 g Dinkelmehl
80 g Puderzucker
2 Eigelb
das Mark 1 Vanilleschote
1 Prise Salz
150 g Mandeln
150 g Butter
sowie Puder- und Vanillezucker zum bestäuben.
Backanleitung: Aus Mehl, Puderzucker, Eigelb, dem inneren einer Vanilleschote, einer Prise Salz, Mandeln und Butter einen Knetteig herstellen und eine Stunde kühl stellen. Eine Backunterlage mit Mehl bestäuben, aus dem Teig 5 cm dicke Rollen formen und dicke Scheiben mit dem Teigschaber abtrennen. Zu einer Rolle formen und in Kipferlform biegen. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und 10 Minuten bei 200° C backen. Noch warm mit einer Mischung aus Puder- und Vanillezucker bestäuben. Guten Appetit!
Anmerkung: Mehr Infos und Text zu den Themen Kräuterheilkunde und Astromedizin gibt`s unter www.Traudl-Walden.de
  PLZ