Schöllkraut

Der ausdauernde Wurzelstock von Chelidonium majus treibt saftige, ober wiederholt zweiteilige Stängel, welche mit fiederspaltigen, graugrünen und rundlappigen Blättern von schönem Umriss besetzt sind. Die gelben Blüten bringen schotenförmige Samenkapseln. Die ganze Pflanze enthält reichlichen gelben Milchsaft. Das Schöllkraut blüht von Mai bis in den August. Es findet sich fast überall auf Schutt und in Mauerritzen. Der Milchsaft besitzt eine ziemliche Schärfe und die Pflanze gibt zerstoßen einen scharfen, widerlichen Geruch, getrocknet ist sie geruchlos, ihr Geschmack ist scharf, bitter, lang anhaltend und etwas salzig. Volkstümliche Namen wie Augenkraut, Schwindwurz und Trudenmilchkraut geben erste Hinweise auf die Verwendung vom Heilkraut Chelidonium. Das Heilkraut hat längst den Weg zu den Menschen gefunden. An Wegen, auf Schuttplätzen und in der vielen Gärten fühlt sie sich zuhause – sucht regelrecht den Kontakt zu den Menschen und fühlt sich auf kargen felsigen Böden zuhause.

Die ganze, zu Beginn der Blüte geerntete Pflanze wurde zerstoßen und ausgepresst und der Saft eingedampft. Dieses Extrakt war ein Mittel gegen das drei- und viertägige Fieber und gegen die Gelbsucht. Der Saft aus Wurzel und Kraut aufgestrichen, vertreibt bei längerem Gebrauch die Warzen. Bei Grind, Flechten und ähnlichen Hautkrankheiten wirkt er als gelindes Beizmittel.

Ein Kennzeichen des Schöllkrauts ist der Saft der Pflanze, der im frühen Stadium der Blütezeit beim Pflücken gelblich hervorquillt und wenige Augenblicke später die Finger orangerötlich färbt. In diesem Milchsaft wurden eine Reihe von Alkaloiden festgestellt, die nach neueren Forschungsergebnissen eine gewissen Ähnlichkeit mit den Alkaloiden des Opiums haben. Außerdem wurden noch Protopin (Fumarin), Sanguinarin, Chelidonsäure, Zitronen- und Apfelsäure, Glauciumsäure und die Alkaloide Glaucin und Glaukopikrin sowie Spartein und ätherische Öle gefunden.

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In alten Kräuterbüchern steht dass weißer Wein, in welchem Schellkraut mit Wurzel eine Zeit lang gelegen hat, den Schweiß treibt und gegen Wassersucht empfohlen wird. Schellwurz und Aniskörner in gutem Wein gesotten und getrunken, öffnet die Leber und vertreibt die Gelbsucht, aber man soll auch das Kraut unter die bloßen Füße und in die Schuhe legen und darauf gehen. Man macht auch ein gutes Extrakt daraus, der Leber sonderlich dienstlich. Der Saft vom Schellkraut heilt alte Geschwüre und den Wolf, wenn damit gewaschen. Solche Kräfte hat auch das Pulver vom gedörrtem Kraut und Wurzel, in die Wunden und Schäden gestreut. Das Angesicht mit Schellwasserkraut gewaschen, vertreibt die Masern (Sommersprossen).

Die Geschichten über Schellkraut gehen bis 350 vor Christus zurück. Aristoeles, der als der Vater der Naturgeschichte gilt berichtet, die Menschen seien auf die Heilkraft dieser Pflanze aufmerksam geworden durch die Schwalben, die ihren blinden Jungen den Milchsaft vom Schöllkraut in die Augen strichen. Heute gebraucht man Schöllkraut gegen Nachtblindheit und bei anderen Augenleiden.

Eine Pflanze mit Charakter

Es ist das am weitesten verbreitete Mohngewächs im mitteleuropäischen Raum. Das gelbblühende Schöllkraut ist ein emotionaler, aber ernsthafter Charakter, der Gewissensbisse bekommt, wenn er zu viel träumt, weswegen er sich relativ leistungsorientiert, mitteilsam und durchsetzungsstark verhält, was daran deutlich wird, dass es an vielen Orten anzutreffen ist und eine ausgeprägte Blattbildung und über mehrjährige Beständigkeit verfügt. Als gelbblühende Pflanze, die monatelang Blüten treibt, ist das Schöllkraut reich an seelischen Energien und Empfindungen. Es möchte aus dem Fluss des Lebens schöpfen und seine Eindrücke gestalten, hat hier aber gewisse Hemmungen, die sich in der Kleinheit der Blüten äußern. Diese verfügen lediglich über vier Kronblätter, welche zart sind und bereits nach einigen Stunden abfallen.

Schöllkraut-Tropfen werden bei gestörter Fettverdauung empfohlen, bei Beschwerden nach Gallenblasen-Entfernung, sowie bei Stauungsgallenblase. Die Rezeptur enthalten die Frucht der Mariendistel, das Kraut von Schafgarbe und Wermut, Johanniskraut und das Kraut des Schöllkrauts. Als Ergänzung kommen Ruhrkrautrüben, Berberitze und die ganze Pflanze vom Löwenzahn in Frage.

Homöopathische Anwendung

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Die Homöopathie verarbeitet die vor Beginn der Blüte gesammelte, frische Wurzel. Die Essenz enthält Kali, Kalksalze und Silicea und wirkt vorzüglich auf das Gallesystem und die Pfortader, aber auch auf das Nervensystem und auf den Stoffwechsel von Leber und Galle.Als Leitsymptome gibt Stauffer an: Epidemisches Mittel bei Keuchhusten und Grippe, Schmerz am rechten unteren Schulterblattwinkel, die Beschwerden scheinen erworben zu sein durch Leberstörungen, Stiche und stumpfer Schmerz in der Lebergegend, empfindlich gegen Druck, bitterer Geschmack, viel Durst, Verlangen nach Essig und Pikantem.

Eine besondere Anwendung kommt dem Schöllkraut zu bei rechtsseitiger Migräne. Weil die Leber auf selbiger Seite lokalisiert ist, wird der Zusammenhang zwischen rechtsseitiger Migräne und Unterstützung der Leberfunktionen schon deutlich, was Dunkelfelduntersuchungen und Krankengeschichte des Betroffenen oft bestätigen.

Astromedizin

Die Planetenzuordnung für das Schöllkraut ist eindeutig. Jupiter, weil ihm das Organ Leber zugerechnet wird. Mars wegen der Schärfe – die Bitterstoffe der Blätter brennen lang anhaltend auf der Zunge. Und in den Blüten des Schöllkrauts spiegelt sich die Sonne und jede Lebertherapie – ob zur Linderung der Beschwerden oder zur Prophylaxe – heiter das Gemüt auf! 

Das Schöllkraut war einst eine berühmte Heilpflanze, der man sogar Heilkräfte wider Krebs und Lupus zuschrieb. Kneipp berichtet ausführlich von der krebsheilenden Heilkraft des Schöllkrautes. Auch Rademacher lobte sehr diese Heilpflanze und rühmte deren schmerzlindernde Wirkung, deren Einfluss auf den Verdauungsapparat mit spezieller Anregung auf Magen, Galle und Leber sowie die krampflösenden Eigenschaften bei allen asthmatischen Krankheitsbildern. Die durch Gelbsucht auftretenden Augenschmerzen und die Gelbfärbung wurden durch äußere Umschläge sowie durch innerliche Gaben von Tee gelindert.